
Ok, wir waren bereit für unsere mehrtägige Kanutour, nachdem wir unsere Finger wundgeklettert haben beim Bouldering Festival im Ibex Valley... (http://www.yukon-news.com/multimedia/video/14058/)
Am nächsten Tag gings dann auch zur Kanumiete in Haines Junction. Da der berüchtigte Dezadeash mal nicht vom Wind gestreifft wurde, paddelten wir noch am selben Tag um 17 Uhr los. Zu unserem Glück konnten wir ein Moose bei der Seeüberquerung beobachten. Am anderen Ende des Sees fanden wir ein gemütliches unterdachtes Plätzchen zwischen alten Hütten. Nach der regnerischen Nacht überquerten wir zwei weitere wunderschöne Seen, die uns in den Fluss führten. DieFahrt zum nächsten Schlafplatz war traumhaft, von Moorlandschaft, Bergen und Mischwäldern umgeben. So konnten wir uns gemütlich den Fluss runtertreiben lassen. Unzählige Biber und Wildenten sowie Bären- und Moosespuren querten unsere Blicke. Und das Beste war, keine Menschenseele weit und breit! Wir waren wirklich in der Wildnis:-) So, Zmörgele, an Champagne vorbeipaddeln und dann ging es los: Eine Kurve nach der andern mit Steilwänden aus Sand, in denen sich kleine Vögel Nester gebaut haben. Wir haben hunderte von den scheiss weissen Wänden umfahren und konnten sie langsam nicht mehr sehen... Wenigstens sind wir nun geübte Kurvenpaddler:-) Dazu kam noch, dass der Fluss keine Strömung hatte und nirgends ein Schlafplatz in Sicht war, was zu einem 12 stündigen Paddeltag führte. Am nächsten morgen hofften wir auf schnellere Fortbewegung auf der kurvenreichen Strecke. Leider war dies aber nicht der Fall! Zum Glück gab es zwischendurch einige Stromschnellen und dadurch waghalsige Ausweichmanöver von Baumhindernissen. Endlich ein bisschen Action und wir kamen voran. Jawohl, unser Ziel war in Sicht und rückte immer näher. Die 150Km haben wir fast überstanden. Leerer Bauch, lasche Arme und wunde Hintern machten sich nach wiederholtem 10 stündigem Paddeltag bemerkbar. Wir konnten es kaum erwarten aus dem Kanu auszusteigen.
Doch Plötzlich, alles ging so schnell, gerieten wir in eine starke heimtückische Strömung. Wir konnten nicht mehr ausweichen. Die harten Paddelschlägen haben auch nichts mehr genützt. Direkt vor uns ragten dicke Baumstämme aus dem Wasser. Unser Kanu kippte, wir landeten im Fluss und das ganze Material wurde davon geschwemmt. Glücklicherweise konnte Boris einiges retten und auf der anderen Flusseite deponieren. Völlig durchnässt und schockiert kletterten wir die Stämme hoch und kämpften uns durch extrem dichtes Wald- und Sumpfgebiet. (Hallo Mücken!!!) Nach 40 Minuten erreichten wir endlich eine Schotterstrasse, denn wir lauschten vergebens nach Motorengeräuschen. Ein bisschen erleichtert, aus dem Wald und froh keinem bösen Bären begegnet zu sein... das hätte uns noch gefehlt. Schlotternd marschierten wir also in Richtung Dorf, um Hilfe zu holen. Der Weg schien nicht vielbefahren zu sein. Doch wie gerufen tauchte in der Ferne ein Auto auf und brachte uns zu den Kanuvermieter (Wir wären sonst bestimmt noch ca. 2 Stunden marschiert...) Gemeinsam beschlossen wir die Rettungsaktion auf den nächsten Tag zu verlegen, da es doch schon 21 Uhr war. Da unser Autoschlüssel immer noch am Unfallort war und wir somit obdachlos, durften wir bei dieser Familie übernachten.
Am nächsten Tag sah alles schon viel besser aus. Sämtliches Material wurde nämlich wiedergefunden. Tja, das Kanu ist nun unbrauchbar (unvorhergesehene Kosten zu Lasten unseres Reisebudgets – Spenden sind jederzeit willkommen:-)) Aber Hauptsache, uns ist nichts passiert und wir leben noch!!!
Die letzten 2 Tage haben wir mehrheitlich im Auto verbracht. In der Zwischenzeit sind wir ca. 2000Km weiter südlich, in Jasper (Alberta, Kanada). Hier werden wir die Felsen auschecken und die Gegend für mehrere Tage auskundschaften.
Bis bald
Boris & Nicole

